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07.09.2021
Gleichstellungsbeauftragte von Stadt und Landkreis Goslar fordern Geschlechtergerechtigkeit bei der Digitalisierung stärker in den Blick zu nehmen


Kathrin Geschke und Vera Tietz formulieren nach Teilnahme an der 26. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten notwendige Handlungsschwerpunkte

Kathrin Geschke, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, und Vera Tietz, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar, waren dabei als sich am 30. und 31. August mehr als 400 ihrer Kolleginnen aus ganz Deutschland zum Thema Digitalisierung unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit im Rahmen der 26. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten austauschten. Corona bedingt aber auch passend zum Thema wurde die Veranstaltung im virtuellen Raum abgehalten.

Thematisch drehte sich die Konferenz neben der Digitalisierung, die im Zuge der Corona-Pandemie einen enormen Schub erfahren hat, unter anderem noch um die Arbeitssituation in der Pflegebranche, Gewalt gegen Frauen, die Notwendigkeit kostenfreier Verhütungsmittel sowie die Abschaffung der Paragraphen 218 und 219 a StGB (Schwangerschaftsabbruch).

Christiane Lambrecht, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, unterstrich, dass es Ziel sein muss „alle Menschen beim digitalen Wandel mitzunehmen“. „Wie wir die Digitalisierung so gestalten, dass Frauen und Männer gleiche Verwirklichungschancen haben, steht im Mittelpunkt des dritten Gleichstellungsberichtes der Bundesregierung. Der Bericht gibt uns wertvolle Impulse für die weitere Politik“, berichtete die Ministerin im Zuge der zweitägigen Konferenz.

Vera Tietz fordert, dass die Politik die Wechselwirkungen zwischen Geschlechterverhältnis und Digitalisierung berücksichtigen muss. „Dadurch kann ein Beitrag zum Abbau struktureller Ungleichheiten, Geschlechtsstereotypen und Diskriminierungen geleistet werden. Der digitale Wandel kann nur gelingen, wenn er gleichstellungsorientiert gestaltet wird. Die Arbeits- und Unternehmenskultur in der Digitalwirtschaft muss sich verändern, hin zu mehr Vielfalt“, konstatiert Tietz als Vertreterin der Stadt Goslar.

Der Handlungsbedarf ist aus Sicht von Geschke und Tietz groß, wie auch aktuelle Zahlen belegen.

So liegt der Frauenanteil in der Digital- und Informatikbranche gegenwärtig lediglich bei 16 Prozent. Im Topmanagement der Digitalbranche sind Frauen eine Seltenheit. Der so genannte „Gender Leadership Gap“, ein Indikator, der den Chancenanteil von Frauen misst, liegt bei 5:1.

In Zeiten von Homeoffice weiten Frauen sowie Männer ihre unbezahlte Sorgearbeit (beispielsweise Erziehung der Kinder) aus. Frauen allerdings stärker als ihre männlichen Pendants.

19 Prozent der Frauen in Berufen der Informationstechnik arbeiten in Teilzeit, die Männer kommen auf lediglich fünf Prozent. Zum Vergleich: der Durchschnitt bei anderen Berufen Frauen 31 Prozent, Männer acht Prozent.

Seit Jahren ist überdies auffällig, dass Frauen in den Studiengängen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) unterrepräsentiert sind.

Als bedenklich bezeichnen Tietz und Geschke auch die Anzahl der Frauen (70 Prozent), die im Internet bereits Bedrohungen und Beleidigungen erlebt haben. „Digitale Gewalt“, so Geschke, „hat fatale Folgen. 19 Prozent aller Betroffenen ziehen sich nach dem Erlebten aus dem Diskus zurück“.

Nach Auffassung von Geschke, Tietz und ihren Kolleginnen kann hier nur eine konsequente Gleichstellungspolitik auf allen staatlichen Ebenen Abhilfe schaffen. Daher fordern die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten die Bundesregierung auf, die strukturelle Benachteiligung von Frauen abzubauen. Neue Gesetze zu Homeoffice und mobilem Arbeiten müssen die Diskriminierungseffekte auf Frauen systematisch ausschließen, Frauen in MINT-Berufen gefördert, Zugänge zu Gründerinnenkapital erleichtert und Standards für die größtmögliche Selbstbestimmung über den wechselnden Arbeitsort festgelegt werden.

Mehr Schutz vor geschlechtsbezogenem Hass im Netz. Im digitalen Raum besteht ein hohes Gefährdungspotential durch geschlechtsbezogene Gewalt und sexualisierte Belästigung. „Wir fordern eine systematische Berücksichtigung des Themas digitale Gewalt in Digitalisierungsprozessen, mehr Schutz vor geschlechtsbezogener Gewalt im Netz durch die Förderung und den Ausbau zivilgesellschaftlicher Initiativen und Projekte zu diesem Thema und den Aufbau von Kompetenzen und nachhaltigen Strukturen bei Polizei-, Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden sowie der Justiz.“, betont Kathrin Geschke als Vertreterin des Landkreises.